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Erfolg im Kampf gegen Tauben: Fahrgastverband Pro Bahn zeichnet Wiesbadener Bahnhofsmanager aus

Von Der Fahrgastverband Pro Bahn hat zum Auftakt seiner Bundesverbandstagung den jährlich vergebenen Fahrgastpreis drei Mal innerhalb Hessens vergeben. Die Kurhessenbahn und die Taunusbahn wurden dabei ebenso ausgezeichnet, wie ein entschlossener Bahnhofsmanager.
Foto: Pieren Die Kurhessenbahn fährt bis nach Nordhessen.
Wiesbaden. 

Wie Don Quijote, der als Ritter von der traurigen Gestalt einen vergeblichen Kampf gegen Windmühlen führte, wird Benjamin Schmidt nicht enden. Der Wiesbadener Bahnhofsmanager wurde vielmehr vom Fahrgastverband Pro Bahn gestern Abend mit dem deutschen Fahrgastpreis ausgezeichnet.

Damit wird Schmidt für seinen nimmermüden und zuletzt doch noch erfolgreichen Kampf gegen die Taubenplage in seinem Bahnhof ausgezeichnet. Doch der Reihe nach: Es war ja gut gemeint, damals anno 2008, als die Deutsche Bahn mit der Stadt Wiesbaden einen Vertrag über den Einbau eines Taubenschlags im Turm des Bahnhofsgebäudes unterzeichnete.

Man wollte seinerzeit die knapp 100 Tauben, die in der Bahnhofshalle des Wiesbadener Hauptbahnhofs ihr Domizil hatten, im Bahnhofsturm füttern und eine Heimstatt geben. Auch deren Eier sollten dort zur Populationsreduzierung durch Plastikattrappen ausgetauscht werden.

Stark vermehrt

Doch zeigten sich die Tauben unbeeindruckt und waren von Jahr zu Jahr gebärfreudiger. Bahnhofsmanager Benjamin Schmidt beobachtete mit Entsetzen, das sich im Laufe der Jahre statt der ursprünglich 80 bald 500 und zuletzt bis zu 1000 Tauben im Turm Futter holten – und in der Bahnhofshalle umherflatterten. Und wirklich ekelig: Das Federvieh entledigte sich liebend gerne vornehmlich beim Flug durch die Bahnhofshalle. Die Beschwerden über unliebsamen Vogelschiss nahmen kontinuierlich zu. Mitarbeiter des Reinigungsdienstes mussten beim Entfernen des Kots gar Mundschutz tragen.

Der DB-Mann hatte den Grund des Übels bald ausgemacht. Schuld für die Taubenplage sei nicht – wie von Kritikern vorgehalten – die nie gründlich gereinigte Bahnhofshalle, in der die Tauben von weggeworfenem Essen der Reisenden angelockt wurden. Schuld war der Taubenschlag, der von städtischen Mitarbeitern mit bis zu 400 Kilo Taubenfutter bestückt werde. Die Strategie war einfach: kein Futter, keine Tauben mehr. Doch Schmidt brauchte einen langen Atem. Die DB hatte bereits 2012 den Vertrag mit der Stadt gekündigt.

Die Tauben scherten sich freilich nicht darum, waren weiter fruchtbar und mehrten sich weiterhin zügellos. Der Kampf gegen die Tauben war für Benjamin Schmidt wie ein persönlicher Kampf gegen Windmühlen. Doch der Bahnhofsmanager ist ein Mann der Tat. Nachdem dieser Tage die Duldungsfrist endet wird der Taubenschlag zum 31. März dichtgemacht.

Futterentzug

Die Reisenden können nun vor allem auch deshalb aufatmen, weil eine neue Strategie zum Erfolg führen soll. Und die lautet: Futterentzug durch Schließung der Futterstelle im Turm. Zusätzlich hat die DB sogenannte Verbrämungen – also spitze Metalldornen in der Bahnhofshalle und auf den Anzeigentafeln angebracht.

Und ganz entscheidend: die Bahnhofstauben werden ab sofort in den 50 Meter entfernten Taubenschlag im Parkhaus des Lilien-Carrés umziehen und dort gefüttert. „Benjamin Schmidt hat sich in seinem Bahnhof vorbildlich um die Fahrgäste gekümmert und engagiert gegen die Tauben und deren Dreck gekämpft, obwohl ihm von städtischer Seite eher Steine in den Weg gelegt wurden“, begründet Pro Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann die Auszeichnung im Gespräch mit dieser Zeitung.

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