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Kriminalität: Razzia gegen „Osmanen Germania“

Von Zwar ist es in letzter Zeit etwas ruhiger um die Rockergruppe „Osmanen Germania“ geworden. Aber nach wie vor soll die türkischstämmige Vereinigung gefährlich sein. Gestern gab es eine bundesweite Razzia, bei der die Polizei auch in Hessen zuschlug.
Rockergruppe "Osmanen" Foto: Dieter Staniek (dpa) Polizisten beobachten ein Treffen der Rockergruppe „Osmanen Germania“ – hier in Nordrhein-Westfalen. Gestern gab es Razzien in mehreren Bundesländern.
Dietzenbach/Wiesbaden. 

Bei ihrem neuesten Facebook-Eintrag geben sich die „Osmanen Frankfurt“ sportlich, wenngleich mit martialischer Anmutung: Zwei kräftige, junge Männer, finsterer Blick, die Fäuste kampfbereit vor der Brust geballt und abgelichtet in einem Fitnessambiente. „Wir sind nur ein Boxclub“, will die Gruppe damit nach außen vermitteln – wie das in der Vergangenheit immer wieder getan wurde. Was auf der Seite des sozialen Netzwerks hingegen völlig unerwähnt bleibt, ist die gestrige Polizeiaktionen gegen die rockerähnliche Gruppe mit türkischem Hintergrund.

Angelaufen war der Großeinsatz um sechs Uhr morgens. Rund 120 Polizisten, darunter auch Spezialkräfte, durchsuchten zehn Wohnungen in West-, Süd- und Südosthessen. Ein Schwerpunkt der Aktion lag nach Angaben des Landeskriminalamts in Dietzenbach im Kreis Offenbach, wo die „Osmanen Germania“ bis zum vergangenen Jahr ihr Hauptquartier hatten. Und auch in Oberursel wurde ein „Objekt“ durchsucht. Parallel dazu liefen Polizeiaktionen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Wie die „Stuttgarter Nachrichten“ unter Berufung auf Sicherheitskreise berichteten, wurden dabei auch Räume in den Justizvollzugsanstalten Offenburg und Stuttgart Stammheim durchsucht. Dort sitzen Anführer der „Osmanen Germania“ in Untersuchungshaft.

Machenschaften aufhellen

Angeordnet und koordiniert wurde die länderübergreifende Razzia vom Bundesinnenministerium. Es bestehe der „dringende Verdacht, dass Zweck und Tätigkeit des Vereins ,Osmanen Germania BC’ den Strafgesetzen zuwiderlaufen“, hieß auf Behördendeutsch. Die Durchsuchungen sollten der Aufklärung von Vereinsstrukturen und Aktivitäten dienen.

Etwas deutlicher wurde Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU): „Mit den heutigen Durchsuchungen sollen die Machenschaften der Osmanen Germania weiter aufgehellt werden. Von den Maßnahmen geht auch ein klares Signal des Staates aus: Wir dulden keine rechtsfreien Räume und werden alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um kriminelle Rockergruppierungen in ihre Schranken zu weisen.“

Wieder einmal, muss hinzugefügt werden, denn bereits im Juni 2017 hatte es eine bundesweite Razzia gegeben. Auch damals wurden Wohnungen in Hessen durchsucht. Und im August wurden zwei führende Mitglieder der Rockergruppe festgenommen, die aus den Landkreisen Darmstadt-Dieburg und Marburg-Biedenkopf stammten. Im Dezember erhob die Staatsanwaltschaft Stuttgart schließlich Anklage gegen acht mutmaßliche Osmanen-Mitglieder. Ihnen wird unter anderem versuchter Mord, versuchter Totschlag, räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Zwangsprostitution und Zuhälterei vorgeworfen.

In Hessen ist es seither ruhiger um die Gruppe geworden. Im mittleren zweistelligen Bereich bewege sich heute die Mitgliederzahl, sagt Max Weiß, Sprecher des Landeskriminalamts in Wiesbaden. Dennoch habe man die Osmanen weiter auf dem Schirm. Und vom Landesamt für Verfassungsschutz wird sie beobachtet. Denn auch wenn Bedeutung und Aktivitäten der Osmanen gesunken ist, soll sie bundesweit nach wie vor rund 300 Mitglieder mit überwiegend türkischen Wurzeln haben. Organisiert sind sie in 22 Ortsgruppen – sogenannte Chapter.

Rechtsextreme Positionen

Der „gemeinsame Zweck des Vereins“ liegt laut dem Bundesinnenministerium in der „gewalttätigen Gebiets- und Machtentfaltung sowie in der Selbstbehauptung gegenüber konkurrierenden rockerähnlichen Gruppierungen.“ So war es in der Vergangenheit immer wieder zu Schlägereien mit Mitgliedern der kurdischstämmigen Gruppierung „Bahoz“ gekommen. Hintergrund ist, dass die Osmanen nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Innenministeriums türkisch-nationalistische und rechtsextremistische Positionen vertreten. Außerdem sollen sie in Verbindung zur türkischen Regierungspartei AKP sowie zum Umfeld des Staatspräsidenten Erdogan stehen.

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