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Eintracht Frankfurt: Analyse: Wie realistisch sind diesmal die Chancen auf Europa?

Bei realistischer Einschätzung sind für die Eintracht noch fünfzehn, sechzehn Punkte möglich. Das könnte am Ende für einen Platz unter den ersten Sechs oder Sieben in der Fußball-Bundesliga reichen.
Ausgelassene Freude und ein sehnsüchtiger Blick nach oben bei Marius Wolf, Gelson Fernendes, Sébastien Haller, Simon Falette und Marco Russ (von links) nach dem 4:2 über Köln. Foto: osnapix (imago sportfotodienst) Ausgelassene Freude und ein sehnsüchtiger Blick nach oben bei Marius Wolf, Gelson Fernendes, Sébastien Haller, Simon Falette und Marco Russ (von links) nach dem 4:2 über Köln.
Frankfurt. 

Axel Hellmann ist normalerweise immer für eine deutliche Aussage gut. Doch in diesen Tagen und Wochen hat sich der Marketing-Vorstand der Frankfurter Eintracht Zurückhaltung auferlegt. Zu sportlichen Belangen äußert sich Hellmann nur dosiert. „Ich spare mir das auf bis zum nächsten Heimspiel“, hat Hellmann nach dem 4:2 gegen den 1. FC Köln gesagt, als er um eine Analyse des Status quo bei der Eintracht gebeten wurde.

Der Zeitpunkt ist wohl nicht zufällig gewählt. Das nächste Heimspiel tragen die Frankfurter am nächsten Montag, 20.30 Uhr gegen RB Leipzig aus. Die Leipziger sind amtierender Vizemeister, ehemaliger Champions-League- und aktueller Europa-League-Teilnehmer und schon wieder Tabellenzweiter in der Fußball-Bundesliga. Und sie haben nur zwei Punkte Vorsprung vor der Eintracht.

Zweiter gegen Vierter: Dieses Spitzenspiel, das erste Montagsspiel in der Liga-Geschichte, wird zeigen, wie die Kräfteverhältnisse wirklich sind. Denn ganz im Geheimen wird auch in Frankfurt von Europa geträumt – so wie im Frühjahr 2017, vor dem großen Einbruch in der Rückrunde. Aber diesmal, das ist der Unterschied, spricht niemand darüber. Das könnte sich ändern, wenn die Marke von 40 Punkten geschafft ist. Momentan sind es 36. „Ich lasse mich nicht treiben“, hat Trainer Niko Kovac nach dem spektakulären 4:2 gegen Köln wieder einmal betont. Er hat aber auch hinzugefügt: „Ich bin Sportler genug um es mitzunehmen, wenn zum Schluss etwas übrig bleibt.“

Zwei heiße Eisen im Feuer

„Griff nach den Sternen“: So überschreibt der „kicker“ die Leitstory in seiner neuesten Ausgabe und beschreibt damit die Situation der Frankfurter Eintracht. Sogar der Einzug in die Champions League sei für die Eintracht möglich, heißt es. Ist das aber wirklich so?

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Sehenden Auges lief der 1. FC Köln in Frankfurt ins Verderben, gerade beim ersten Treffer der Eintracht. Und auch die fehlende Entschlossenheit in der Verteidigung der entscheidenden Freistöße nach dem schmeichelhaften Ausgleich warf kein gutes Licht auf den Tabellenletzten.

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Fakt ist: Die Frankfurter haben im „Kampf um Europa“ zwei heiße Eisen im Feuer. Zum einen in der Liga, wo der Vorsprung auf die nicht für internationale Spiele qualifizierenden Plätze fünf Punkte beträgt. Zum anderen im Pokal, wo das schwere Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 noch vor dem Finale steht. Wie also stehen die Chancen der Eintracht, nach 2006/07 unter Trainer Friedhelm Funkel und 2012/13 unter Trainer Armin Veh, wieder einmal europäisch zu spielen? Eine Analyse:

  Champions-League: Vier deutsche Mannschaften qualifizieren sich diesmal direkt, auch der Vierte muss keine Qualifikationsspiele bestreiten. In dieser Saison war dort die TSG 1899 Hoffenheim gegen den FC Liverpool ausgeschieden. Das bleibt dem Bundesliga-Vierten also erspart. Die Eintracht liegt aktuell nach 22 Spieltagen mit 36 Punkten auf Platz vier. In der vergangenen Saison wurde Hoffenheim mit 62 Punkten Vierter, vor zwei Jahren reichten für Borussia Mönchengladbach 55 Punkte für die Teilnahme an der Königsklasse.

  Europa League: Die zwei deutschen Teams auf den Rängen fünf und sechs qualifizieren sich sicher, der Siebte (siehe Pokal) sehr wahrscheinlich. 2016 reichten 50 Punkte für die Europa-League-Teilnahme, letztes Jahr dem SC Freiburg sogar 48.

  DFB-Pokal: Der Pokalsieger qualifiziert sich direkt für die Europa League. Gewinnt ein Club, der ohnehin für die Champions League oder Europa League qualifiziert ist, was bei Bayern, Leverkusen und Schalke sehr wahrscheinlich ist, wird nicht der Endspielverlierer, sondern der Tabellensiebte nominiert. Darauf läuft es bei der Halbfinal-Zusammensetzung hinaus. So weit also die technischen Voraussetzungen. Stellt sich die Frage, ob die Eintracht 62, 55, 50 oder 48 Punkte erreichen kann. Oder den Pokal gewinnen wird.

Das scheint am schwierigsten. Selbst wenn das Halbfinal-Spiel auf Schalke auf Augenhöhe stattfinden wird, könnten im Finale ja die nahezu „unschlagbaren“ Bayern warten. Über die Bundesliga scheinen die Chancen größer und substanzieller zu sein.

Zwölf Spieltage sind noch auszutragen, die Eintracht hat wie alle anderen Clubs noch sechs Heim- und sechs Auswärtsspiele zu absolvieren. Zunächst ein Blick auf die Heimspiele gegen Leipzig, Hannover, Mainz, Hoffenheim, Berlin und Hamburg. Achtzehn Punkte sind möglich, mit Leipzig kommt ein Gegner aus der Kategorie „Spitze“, mit Hoffenheim und Hannover kommen zwei aus der Kategorie „Mittelfeld“ und mit Mainz, Berlin und Hamburg drei aus dem direkten „Abstiegskampf“. Vier Heimsiege, also zwölf Punkte, sind da sicher möglich, auch wenn Trainer Niko Kovac mahnt, „dass wir vor jedem Gegner großen Respekt haben müssen.“ Er sagt aber auch: „Dieses Team hat noch viel Potenzial nach oben.“

Auswärts muss die Eintracht nach Stuttgart, Dortmund, Bremen, Leverkusen, München und Schalke. Das sieht auf dem Papier ungleich schwerer aus als die Heimspiele. Zweimal bei abstiegsbedrohten Teams (Stuttgart und Bremen), viermal bei Spitzenmannschaften. Drei, vier Punkte könnte die Eintracht bei ihrer unter Beweis gestellten Auswärtsstärke dennoch holen.

Bei realistischer Einschätzung sind also fünfzehn, sechzehn Punkte drin. Das wären 51 oder 52 am Ende. Und damit ganz sicher ein Platz unter den ersten Sechs oder Sieben, also die Qualifikation für internationale Spiele. Wie weit der „Flow“, den Manager Bruno Hübner ausgemacht hat, tatsächlich trägt, kommt auf die Gesamtkonstellation in der Liga an.

Die ausgeglichene Spitzengruppe ist für alle Mannschaften da oben Chance und Risiko zugleich. Von Woche zu Woche ändern sich die Platzierungen. Das könnte bis zum Schluss so bleiben.

Die mangelnde Konstanz der prominenteren Konkurrenz bietet der Eintracht die Gelegenheit, sich bei günstigem Verlauf auch ganz oben, also unter den ersten Vier, zu qualifizieren.

  Die Prognose: Kann die Eintracht einen großen Einbruch vermeiden, ist die Europa League wahrscheinlich. Gelingt es den Frankfurtern, die aktuelle Form zu konservieren und noch den einen oder anderen Überraschungscoup zu landen, wäre auch der „Griff nach den Sternen“ nicht ausgeschlossen.

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