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Pokal-Aus: Eintracht Frankfurt: Bis aus die Knochen blamiert

Titelverteidiger Eintracht Frankfurt scheidet im Pokal sensationell in Ulm aus – doch die Verantwortlichen sehen es erstaunlich locker.
Foto: dpa

Ihre mit Abstand besten Szenen hatten die ganz in schwarz gewandeten Frankfurter Spieler, als die zweite Niederlage im zweiten Pflichtspiel besiegelt war und der große Titelverteidiger beim kleinen Underdog die Segel gestrichen hatte.Eintracht-Profi Mijat Gacinovic, im Gesicht weiß wie die Wand, scheute sich nach dem sensationellen Pokal-Aus beim Viertligisten SSV Ulm nicht, Klartext zu sprechen. „Wir müssen schnell zusehen, auf unseren alten Weg zu kommen“, sagte der Serbe nach dem 1:2 (0:0). Er sah schon jetzt, bereits vor dem Bundesligastart am kommenden Samstag in Freiburg, Redebedarf. Dringenden Redebedarf. Die Mannschaft müsse sich zusammensetzen und sich die Meinung geigen. „Wir müssen ehrlich miteinander umgehen, denn so geht es nicht weiter.“

Ein bedröppelter Danny da Costa

Zwei Minuten später hieb Makoto Hasebe, noch einer der Besseren in einer blassen und tumben Mannschaft, in dieselbe Kerbe: „Wir haben keinen Zweikampf gewonnen, die zweiten Bälle verloren, so kannst du kein Fußallspiel gewinnen.“ Und Danny da Costa sah derart bedröppelt aus, dass man ihn am liebsten in den Arm genommen und getröstet hätte. „Mir reicht es jetzt mit den Nackenschlägen“, sagte der Verteidiger. In Freiburg müsse man schnell all die Tugenden zeigen, die das Team einst stark gemacht hatten: „Wir müssen über 90 Minuten erst mal wieder Entschlossenheit, Konsequenz, Kampf- und Laufbereitschaft zeigen. Vielleiht hat uns in Ulm auch ein bisschen das Herz gefehlt. Wir haben noch ein bisschen Kredit, aber wir müssen aufpassen, dass wir den letzten Kredit nicht auch noch verspielen.“ 

Ausscheiden aus heiterem Himmel

Eintracht Frankfurt, im Mai noch so ziemlich auf dem Gipfel ihrer jüngeren Vergangenheit und nach dem Pokaltriumph nach allen Regeln der Kunst abgefeiert, ist endgültig auf dem Boden der Tatsachen angelangt und hat sich eine erste kleine Krise genommen  - vor dem ersten Bundesligaspieltag. Das blamable Ausscheiden des Titelverteidigers ist natürlich die erste und größte Sensation der noch jungen Pokalsaison. Und doch muss man konstatieren: Das Ausscheiden kam nicht aus heiterem Himmel, nicht aus dem Nichts, nein, es hatte sich angedeutet. Die Leistungen in der Vorbereitung und der Partie im Supercup gegen die Bayern (0:5) waren zu dürftig. Das Schlimme daran: Die Sorgen sollten sich als begründet herausstellen. 

1980 brachten die Frankfurter den Pokal mit nach Hause.
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Die Niederlage gegen den Regionalligisten, die Steffen Kienle (48.) und Vitalij Lux (75.) bei einem Gegentor des eingewechselten Goncalo Paciencia (90.) besiegelten, zeigte einmal mehr, dass die Hessen in dieser Verfassung in der Bundesliga nicht konkurrenzfähig sind. Die Mannschaft ist  - Stand jetzt – deutlich schwächer als die letztjährige. Wer das nicht sieht oder wahrhaben will, verschließt die Augen vor der Realität. Eines ist klar: Die Eintracht wird personell noch mal nachlegen. Das ist auch dringend nötig. 

Unterschied zwischen Leistung und Ergebnis

Trainer Adi Hütter war entsprechend bedient. „Das ist eine große, absolute Enttäuschung“, urteilte der 48-Jährige. „Wir müssen jetzt sehen, so schnell wie möglich in die Spur zu kommen.“ Und doch sah er auch gute Ansätze, „die Mannschaft will“, sagte er. Sie sei zudem fahrlässig mit ihren Chancen umgegangen. Von denen hatten die Frankfurter fürwahr einige, doch rein wollte der Ball nicht. „Ich unterscheide zwischen Leistung und Ergebnis“, befand Hütter. Und wer seinem Team eine ganz schwache Darbietung unterstellen wolle, dem wolle er widersprechen. „Da gehe ich nicht d’accord.“ Kann man so sehen, muss man aber nicht. Insgesamt war die spielerische Vorstellung bedenklich und nicht im Ansatz bundesligareif. Meistens wurden die Bälle nur planlos nach vorne geschlagen, Zusammenspiel, Pressing? Fehlanzeige. Und das Ganze gegen einen Viertligisten. 

Mangelnde Chancenverwertung

Sportdirektor Bruno Hübner wollte die peinliche Pleite aber in erster Linie an der mangelnden Chancenverwertung festmachen. „Wir haben die Chancen liegengelassen, das war schlecht. Aber ich habe auch viele gute Ansätze gesehen. Darauf müssen wir aufbauen.“ Der Manager schaute in verblüffte Gesichter, und als ihn einer fragte, ob er da nicht etwas zu viel Schönfärberei betreibe, reagierte er arg unwirsch und antwortete scharf: „Ich habe doch gesagt, dass es eine Enttäuschung und eine Katastrophe ist, was soll ich noch machen, einen Handstand oder was?“ Von der Qualität der Mannschaft sei er weiterhin überzeugt. „Wir müssen uns finden. Es ist nicht die Zeit, die Mannschaft oder das Ganze in Frage zu stellen.“ Auch Trainer Hütter sagte: „Ich vertraue der Mannschaft. Sie ist jung. Sie braucht Zeit. Gebt uns ein bisschen Zeit, um in die Spur zu kommen.“ So viel Zeit hat man in der Bundesliga aber nicht, zumal generelle Zweifel an der Zusammenstellung des Kaders bleiben. Lucas Torro gab etwa am Samstag in Ulm eine ziemlich traurige Figur ab. 

Denn seit Samstagnachmittag steht fest: Der Pokal ist nur zu Gast in Frankfurt, die Eintracht wird ihn im Mai des kommenden Jahres wieder abgeben müssen. „Das“, fasste Danny da Costa zusammen, ist ein Desaster.“ Sehr viel lockerer nahm es Sportvorstand Fredi Bobic: „Das kann jedem passieren, dass er mal in der ersten Runde ausscheidet – auch uns.“ Nun ja, so kann man es natürlich auch sehen.

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