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Eintracht Frankfurt: Niklas Süle: Auf Augenhöhe mit Hummels und Boateng

Bei Rot-Weiß Walldorf hat Niklas Süle das Fußballspielen erlernt. Heute ist er bei Bayern München etabliert und Nationalspieler.
Auf Tuchfühlung mit Neymar: Niklas Süle (hinten) Foto: TOBIAS SCHWARZ (AFP) Auf Tuchfühlung mit Neymar: Niklas Süle (hinten)
Frankfurt. 

Am Dienstag hat es Niklas Süle mit der Crème de la Crème des internationalen Fußballs zu tun gehabt. Der Abwehrspieler des FC Bayern München war erste Wahl beim Revanche-Spiel des deutschen Rekordmeisters in der Champions League gegen Paris St. Germain (3:1), hat sich an der Seite von Mats Hummels gegen die Superstars Kylian Mbappé, Edinson Cavani und Neymar gestemmt.

Dabei hat Süle von Trainer Jupp Heynckes den Vorzug vor Jérôme Boateng und Javier Martínez erhalten. Viel größer kann die Wertschätzung nicht ausfallen. Dabei galt Süle bei seinem Wechsel im Sommer von der TSG 1899 Hoffenheim zu den Bayern eher als Ersatzmann für die prominenten Innenverteidiger, als „back-up“ wie es neudeutsch-englisch heißt.

Doch das hat sich längst geändert. Süle ist auf Augenhöhe mit Hummels und Boateng, gehört längst auch zum festen Stamm der deutschen Nationalmannschaft, steht auch dort in Konkurrenz zu seinen Bayern-Kollegen. Ob er freilich am Samstag beim Auswärtsspiel der Bayern in Frankfurt erste Wahl sein wird, ist offen. Wie kaum ein anderer Club in Deutschland können die Münchner ja auf allerhöchstem Niveau „rotieren“.

Dabei wäre Süle gerade in Frankfurt besonders gerne dabei. Denn bei der Eintracht hat seine fußballerische Karriere im Grunde begonnen, was gar nicht so viele Leute wissen. Am 1. Juli 2006 war Süle von Rot-Weiß Walldorf zur Eintracht an den Riederwald gewechselt. Damals war der heutige Riese (1,95 Meter groß, 89 Kilo schwer) noch ein kleiner Knirps. In der U 12, U 13 und U 14 hat er für die Frankfurter gespielt, mal im Sturm, mal in der Abwehr.

„Wir hatten damals eine Super-Innenverteidigung mit Marc-Oliver Kempf und Niklas Süle“, erinnert sich Armin Kraaz, der Leiter des Frankfurter Nachwuchsleistungszentrums. Kempf, der inzwischen beim SC Freiburg spielt, aber immer wieder unter langwierigen Verletzungen leidet, habe er eigentlich mehr zugetraut als Süle, gibt Kraaz zu: „Aber Niklas hat dann doch eine noch größere Karriere gestartet.“

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Nach drei Jahren hat Süle den Riederwald wieder verlassen, weil die Eintracht eben noch nicht den neuen Riederwald hatte. „Wir hatten noch kein Internat, konnten keine Spieler bei uns unterbringen“, erinnert sich Kraaz. Für Süle war der Aufwand mit der Fahrerei aus Walldorf in den Frankfurter Osten dann wohl zu hoch, er wechselte im Sommer 2009 zum SV Darmstadt 98. Doch das Böllenfalltor war nur Durchgangsstation. Ein halbes Jahr später zog er weiter zur TSG Hoffenheim.

Beim Blick zurück ist das für die Nachwuchsarbeit der Eintracht ein schwerer Schlag. Denn das Talent Süles war ja durchaus erkannt worden. Süle habe schon damals eine „unheimliche Wucht“ in seinem Spiel gehabt, bestätigt Kraaz, so richtig zum Tragen aber sei dies erst in späteren Jahren mit der zunehmenden Körpergröße des Teenagers gekommen.

Getragen hat Süle diese körperliche Präsenz, die mit Spielverständnis und Geschicklichkeit im Zweikampf einhergeht, bis in die große, weite Fußball-Welt. Spätestens seit dem letzten Sommer, als die Bayern 20 Millionen Euro für den Abwehrrecken nach Hoffenheim überwiesen haben, gehört er zu den Stars der Szene. Inzwischen hat er acht Länderspiele für Deutschland bestritten. Mit Vergnügen erinnert er sich an einen Anruf vor sechs, sieben Jahren. „In der U 16 hat mich einmal der türkische Nationaltrainer angerufen und wollte, dass ich für die Türkei spiele“, hat er in einem Interview erzählt, „mein Name würde ja türkisch klingen.“ Doch Süles Wurzeln liegen nicht in der Türkei, sondern in Ungarn. „Mein Vater ist zwar in Deutschland geboren, hat aber auch noch einen ungarischen Pass“, sagt er.

Der schnelle Erfolg in München ist für viele überraschend gekommen. Für ihn selbst nicht. „Viele haben mir ja nicht zugetraut, dass ich so viele Spiele mache“, sagt er, „ich schon, weil ich ja weiß, was ich kann.“ Aus diesen Worten spricht viel Selbstvertrauen, von Selbstüberschätzung ist er aber weit entfernt. Ausgerechnet sein direkter Konkurrent im Verein und in der Nationalmannschaft, Jérôme Boateng, ist sein großes Vorbild. „Wenn Jérôme topfit ist, ist er einer der besten Verteidiger der Welt“, sagt Süle, „wenn ich mal annähernd erreichen kann, was er erreicht hat, bin ich mit meiner Karriere sehr zufrieden.“ Der ehemalige Walldorfer, Frankfurter und Darmstädter ist auf dem besten Weg dazu.

(pes)

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